Der Nachteil der großen Modenschauen in den einschlägigen Hochburgen ist, das die gezeigte Mode keine Straßentauglichkeit hat. Die fällige Antwort darauf bot die so genannte “Street Fashion”, die Straßentauglichkeit zum Markenzeichen erhob. Man kennt solche Mode auch unter synonym verwendeten Begriffen wie “Urban Fashion”, “Streetwear” oder “Hip-Hop-Mode”. Im Grunde ist keine einheitliche Mode gemeint, sondern eine Moderichtung, die den Kids auf der Straße gefällt. Daher hat jede Subkultur besondere Vorlieben entwickelt. Rollerblader oder Hip Hopper tragen andere Klamotten als die Kids, die sich in der Halfpipe messen.

Siebziger bis neunziger Jahre

Street Fashion ist auch bekannt unter Namen wie Hip-Hop-Mode oder Streetwear - Foto: © Gino Santa Maria - Fotolia.com

Die siebziger Jahre markieren wahrscheinlich den Beginn dieser Moderichtung, die sich heutzutage längst mit eigenen Marken etabliert hat. Man trägt auf keinen Fall irgend eine Jeans, sondern eine Markenhose, die das Ideal der Straßentauglichkeit verkörpert. Das bedeutet: Man muss darin eine gute Performance hinlegen können, einer speziellen Gruppe zuzuordnen sein, aber auch seinen Sport damit machen können oder in der Disko cool aussehen. Die berühmten “Baggy Pants”, die Jugendliche bevorzugt tragen, entstammen solchen Strömungen. Auffallend ist das enorme Markenbewusstsein der Kids. Ihr spezielles Stilbewusstsein definiert eigene Styles, die sich nicht anpasserisch an bestehende Moden orientieren. Spätestens in den Achtzigern hatte man seine Mode definiert. Sie sollte unter anderem auch die Individualität und Personality unterstreichen. Man kombinierte also frech die verschiedensten Accessoires miteinander oder kehrte Modediktate der Vergangenheit ins Gegenteil um. Dress Codes für bestimmte Subkulturen entstanden erst später. Der Zenit dieser Bewegung war erreicht, als große Sportartikelhersteller begannen, sich als Sponsoren für die Ausstattung von Musikfestivals und Hip-Hop-Filmen zu interessieren. Die Band “Run DMC” gehörte im Jahre 1987 zu den ersten, die sich von einem Sportartikelhersteller zu einem hochdotierten Sponsoren-Vertrag überzeugen ließen. Mit dem Tragen dieser Marke setzten sie einen Trend, der bis heute nachwirkt. Jede Subkultur hat verschiedene Ergänzungen und Abänderungen vorgenommen und eigene Styles entworfen.

Von der Antimode zum Mainstream-Phänomen

Jede Anti-Mode wird irgendwann zu Street Fashion oder verschwindet in der Versenkung. Das bedeutet aber nicht, dass sie ohne Einfluss auf die großen Modemacher bleiben würde. Alle großen Modemacher nehmen Trends auf. Die von unten bedienen sich bei denen ganz oben – und die von ganz oben bedienen sich bei den Kids auf der Straße. Wenn amerikanische Hollywoodstars solche Mode in ihren Filmen tragen, hat sie sich etabliert. Kurzfristig auftretende Hypes und Einflüsse aus bedeutenden Subgroups fließen in die gängige Street Fashion ein oder erledigen sich von selbst. Spätestens, wenn zahlreiche Designer sich diese Strömungen annehmen und sie zu eigenen Kollektionen zusammenfügen, ist der Bann gebrochen. Das, was eben noch anrüchig war, ist Allgemeingut einer Generation geworden. So wie die Mode der Flower-Power-Generation am Ende fast jeden beeinflusste, so tut es auch die Street Fashion heute. Kleine Designerlädchen haben ihre einst alternativen Modestile längst zu internationalen Marken ausgebaut. Ihre Umsätze ähneln denen, die die bekannten Modemacher aus Mailand und Paris einfahren. Hier wie dort geht es um die modische Inszenierung der Persönlichkeit.

Eine Reise durch die Modewelten

Welche Trends der Street Fashion in Kopenhagen und welche in der Bronx angesagt sind, ist unterschiedlich. Zwar orientiert man sich immer am großen Trend, doch das eigene Land setzt auch nicht unbeträchtliche Einflüsse. Vor allem in ländlichen Regionen wird man die Trends in abgeschwächter Form vorfinden, während die Akzeptanz in den Städten generell größer ist. Die Dresscodes der Berufswelt sind aber kaum zu umgehen. Deshalb ist Street Fashion weitgehend Freizeitmode.

Posted Donnerstag, Juli 26th, 2012 at 10:53 am
Filed Under Category: Fashion
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